7. September 2020

Rückblick – 2019 und Meer

Traditionell gibt es immer einen internen Rückblick und eine Feedbackrunde bei unserer jährlichen Mitgliederversammlung. Dort wird dann nicht nur der Vorstand gewählt, sondern auch über das vergangene Jahr geschnackt und Pläne fürs kommende Jahr geschmiedet.

Bei unserer MV im Februar konnten wir noch nicht ahnen, was dieses Jahr bereit halten würde, unseren großen Events und coolen Projekte mussten wir verschieben. Dafür haben wir jetzt die zeitliche Möglichkeit, mehr über die Aktivitäten des Chaostreffs Flensburg e.V. zu berichten.

Vieler Mitglieder bei der Mitgliederversammlung 2019

Jugendarbeit

2019 ist die Jugendarbeit ein immer größerer Teil bei uns im Chaostreff geworden. In den Jahren zuvor gab es auch schon verschiedene Events, seit 2018 gibt es unseren Jugendtreff – die Neuen Tüftler:innen – regelmäßig im Space.

Seit 2019 sind wir offiziell Mitglied beim Flensburger Jugendring e.V. Das legitimiert nicht nur unsere Bemühungen im Bereich der Nachwuchsförderung, sondern wir haben auch mehr Möglichkeiten für finanzielle Förderung. Neben dieser bekommen wir auch immer wieder Informationen zu spannenden Projekten und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Wir haben es auch geschafft, uns in jedem Monat, außerhalb der Sommerferien, mit den Neuen Tüftler:innen zu treffen. So konnten wir über das Jahr verteilt verschiedene Themen angehen. Von Robotik- und Elektronikbasteleien mit dem Calliope Mini bis hin zum Designen von 3D-Objekten und drucken von eben diesen.

Neben den regelmäßigen Treffen hatten wir auch insgesamt sieben Workshops in den Oster-, Sommer- und Herbstferien. Diese konnten wir dank dem lokalen Ferienpass und der EU Codeweek realisieren. In den Workshops haben wir gelötet, mit Elektronik gearbeitet, programmiert, Roboter gebaut und Spiele entwickelt.

Außer dem Ferienprogramm waren wir auch bei anderen Jugendveranstaltung. Wir waren z.B. beim Workshop Tag FitB (Frauen in technischen Berufen). Beim ButcherJam im Schlachthof wurden ca. 100 Wackelroboter gebaut, bei der DLRG Jugend am Brahmsee gelötet, außerdem waren wir auf der TINCON in Hamburg. Dort wurden ca. 80 Lötbausätze zum Leuchten gebracht und ungefähr 50 Brillen zuerst selbst designt und dann vorort mit dem 3D-Drucker gedruckt.

Diese Veranstaltungen waren nur dank vieler Ehrenamtler:innen, sowie verschiedener Förderer von Material und vor allem Ausstattungen möglich. Vielen Dank an alle unsere Unterstützer:innen und Ehrenamtler:innen, die das möglich gemacht haben!

Events

Neben unserem klassischen Hackspace und Makerplace gehören Events schon seit einiger Zeit zur DNA unseres Vereins. Größere Events mit externen Teilnehmenden ermöglichen einen Austausch und eine Zusammenarbeit die anders schwer zu finden ist.
Wir haben erneut – zusammen mit der KliLa-IT-Crew – die zweiten 23. Rüspeler Tüfteltage veranstaltet. Mit 150 Tüftlern, Nerds und Hackenden haben wir den Lüttenshoff in Rüspel unsicher gemacht. Von Freitag bis Sonntag wurden Projekte angefangen, vorgestellt und viel über Technik geschnackt. Die Veranstaltung hat mal wieder gezeigt, dass es genug Potential für Elektronik-Frickeleien auf dem flachen Land gibt, egal ob in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Das Event wurde zum ersten mal vollständig von uns mit Essen versorgt, der Chaoskombüse sei Dank.
Ein halbes Jahr später haben dann 99 Chaot:innen ein verlängertes Wochenende im Strandpavillion in Solitüde verbracht, Hacks On The Beach 2019. Von Donnerstag bis Sonntag gab es ein ähnliches Programm wie beim RüTüTa nur räumlich gesehen deutlich komprimierter, sowie mit Strand und Fördeblick. Das Ganze wurde sogar von der Staatskanzlei gefördert. Ein Event made in Schleswig-Holstein – der echte Norden! 😉

Aktivitäten

Eine große Sache, die uns am Herzen lag, waren die Diskussionen zum Thema Artikel 13 auf europäischer Ebene. Konkret ging und geht es darum, dass durch eine neue Gesetzgebung einige Anbieter von Online-Plattformen Inhaltsfilter einbauen werden müssen, damit urheberrechtliches Material nicht zweckentfremdet wird.
Das ist ein wichtiges Thema für Rechteinhaber, diesen wollen natürlich mit Ihren Inhalten möglichst (viel) Geld verdienen. Doch gerade für einen Verein wie unseren mit (technischen) Bildungsauftrag gab und gibt es in diesem Gesetz viele Gefahren. Denn entgegen einiger Meinungen gibt es leider noch nicht den perfekten Algorithmus, der mit 100% Zuverlässigkeit zwischen legalen und illegalen Inhalten entscheiden kann. Somit ist die Gefahr ziemlich hoch, dass legale Inhalte von solchen erzwungenen Systemen nicht mehr einfach hochgeladen werden können. Das trifft alle, nicht nur Vereine mit Bildungsauftrag.
Wir – sowie andere Vereine – haben deswegen zu Demonstrationen gegen das Gesetz aufgerufen und selbst eine in Flensburg angemeldet. Mit insgesamt 200 Teilnehmenden sind wir von der Hafenspitze bis zum Südermarkt gezogen. Frei nach Motto: “Gute Artikel? – Der, die, Das – Schlechte Artikel? – 11, 12, 13”.
Leider wurde das Gesetz aber weitgehend unverändert im Europaparlament beschlossen, primär haben sich die Zahlen verändert. Aus Artikel 13 wurde sehr schnell Artikel 17. Im Zuge dessen haben wir noch einen Trauermarsch veranstaltet und symbolisch die Freiheit zu Grabe getragen. Das Ganze wird jetzt von den einzelnen Ländern der Europäischen Union umgesetzt, wie konkret die Folgen aussehen werden, wird sich dann erst zeigen.

Neben den Demonstrationen haben wir auch wieder intensiver unsere Siebdruck-Presse ausprobiert. Mit FKK – dem Flensburger Klamotten Kollektiv – haben viele coole Shirts eine neue Heimat gefunden.

Außerdem haben wir auch auf dem Flensburger Barcamp mehrere Sessions zu verschiedensten Themen eingebracht. Auch auf der re:publica in Berlin waren zwei unserer Mitglieder vertreten und haben den Vortrag: “Kickstart the Chaos – Hackerspace gründen für Anfänger:innen” gehalten.

Unsere Werkstatt

Neben diesem ganzen Trubel haben wir unsere eigene Werkstatt natürlich nicht vernachlässigt. Unsere Werkstatt ist nun besser ausgestattet und eine Garage als Lager hinzugekommen. Damit sind wir nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich gewachsen.

Ausblick

Viele Events, die für dieses Jahr geplant waren, sind auf 2021 verschoben. Das gilt auch für unsere Jugendarbeit. Umso mehr freuen wir uns auf die zukünftigen Aktionen.